wie gut kannst du Kontrolle abgeben?

Die Kontrolle behalten zu wollen, fliesst seit jeher durch meine Adern. Ich habe mir eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, ob das wichtig ist für mich oder nicht. Im Laufe der Jahre pochte oft im Hinterkopf, dass es vielleicht übertrieben sein könnte, das Abhaken der to-do-Liste als höchstes Tagesziel anzuschauen, dass es nicht zwingend nötig ist, jede aufgenommene Kalorie zu notieren und dass ich nicht implodiere, wenn ich abends nur 9998 Schritte auf meinem Zähler habe… Ich hoffe echt für dich, dass du dich in dieser Beschreibung nicht wiederfindest!

Definition aus Brigitte: Kontrolle und Gewissheit geben uns ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Demnach ist es also nur natürlich, dass wir Dinge oder auch Menschen kontrollieren wollen. Denn wir stellen uns vor, dass wir, wenn wir sie kontrollieren können, selbst sicher, glücklich oder erfolgreich sein werden. Doch der Versuch, alles zu kontrollieren, indem wir starr, anspruchsvoll und perfektionistisch sind, tut uns nicht gut. Es ist bloß ein wenig gut geeignetes Ventil, um mit unserer eigenen Furcht umzugehen. Wenn du ständig mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft hast, planst und endlos grübelst, machst du dir selbst das Leben schwer. Zumal das Leben viele Dinge mit sich bringt, über die wir keinerlei Kontrolle haben. Den Anspruch zu haben, dies zu ändern, kreiert lediglich eine Reihe neuer Probleme wie körperlicher und emotionaler Stress, Frustration oder angespannte Beziehungen. Daher ist es für dich selbst nur von Vorteil, weniger kontrollierend zu sein. Kontrollierende Menschen folgen gern einer Routine, mögen Vorhersehbares und halten im Umkehrschluss nicht viel von Überraschungen. Sie reagieren meist gestresst oder verärgert, wenn das Leben eine unerwartete Wendung nimmt. Eine kontrollierende Person verspürt oft Angst und ein Gefühl der Über-Verantwortung. Das bedeutet, dass du Angst davor hast, Fehler zu machen und dir die Schuld für Dinge gibst, für die du eben nicht verantwortlich bist. Wenn du dich dabei ertappst, bestimmte Ergebnisse kontrollieren zu wollen, dann versuche, tief durchzuatmen und führe dir vor Augen, dass es nicht deine Aufgabe ist, das Ungewisse sicher zu machen.

Heute kann ich nur sagen: das stimmt, das habe ich zwar bemerkt, habe es gewusst, aber ich konnte es nicht verändern. Das Leben ist immer gnädig mit uns. Es hilft uns, liebevoll, rücksichtsvoll, achtsam, ruhig, entspannt und freundlich mit uns selber umzugehen. Jeder hat seinen eigenen Weg gewählt, lange bevor er ihn wirklich geht, davon bin ich fest überzeugt. Es heisst also nicht, dass jeder, der seinem Perfektionssinn freundlicher begegnen möchte, krank werden muss… Dennoch kann es sein, dass das Leben ihm die Chance gibt, loslassen zu müssen, Hilfe annehmen zu können, 5 einfach mal gerade sein zu lassen… Ich habe in dem kurzen halben Jahr meiner Erkrankung so viel loslassen müssen, soviel Kontrolle abgeben müssen, soviel annehmen dürfen, dass sich bei mir ganz schnell vieles relativiert hat…

10 gute Gründe fürs Loslassen der Kontrolle:

1. Du wirst dir weniger Gedanken machen

Dein Geist ist durch ewige Wiederkäuen und Grübeln über Fehler, Sorgen oder Ereignisse beschäftigt. Diese mentale „Besessenheit“ wird schwierige oder beunruhigende Geschehnisse nicht aufhalten, es raubt dir nur das Leben im Hier und Jetzt.

2. Du wirst präsenter sein

Der ständige Drang nach Kontrolle macht es dir schwerer, die Welt um dich herum, die Menschen, die dich lieben, oder die Interessen, die dich wirklich glücklich machen, wahrzunehmen. Genieße all das Schöne, dass das Leben dir zu bieten hat.

3. Mehr Vertrauen auf deine Gefühle

Weniger zu denken, schafft Raum, um mehr zu fühlen. Wir verfügen schließlich nicht ohne Grund über Intuition – ab und zu spüren wir etwas einfach. Doch das sogenannte „overthinking“ (extremes überdenken) macht es schwieriger, auf unsere Emotionen zu hören, die ein wichtiger sowie weiser Teil von uns sind.

4. Gesündere Beziehungen

Wenn du nicht mehr versuchst,  jeden Aspekt in deines Lebens zu kontrollieren, wirst du feststellen, dass du weniger kritisch und verurteilend bist. Das liegt daran, dass das Urteilen eine Möglichkeit für uns ist, schnelle Entscheidungen über richtig und falsch zu treffen. Doch diese Entscheidungen sind nicht immer korrekt und stoßen unweigerlich Menschen von uns weg.

5. Du findest zu deinem wahren Ich

Sobald du nicht mehr nur das sagst oder tust, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, bist du frei, einfach du selbst zu sein. 

6. Weniger Angst

Je mehr wir kontrollieren, desto mehr Angst bekommen wir. Wir denken, dass der einzige Grund, warum schlechte Resultate nicht eingetreten sind, der ist, dass wir ständig am Ruder waren. Doch wenn du die Kontrolle loslässt und erkennst, dass auch dann keine Katastrophe eintritt und du mit Problemen umgehen kannst (wenn es dann soweit ist), sind deine Entscheidungen weniger angstgetrieben. 

7. Mehr Sympathie

Wenn wir alles und jeden kontrollieren wollen, dann stoßen wir Menschen häufig vor den Kopf. Damit können wir uns schnell unbeliebt machen, besonders in romantischen Beziehungen ist ein solches Verhalten toxisch. 

8. Du hast mehr Energie

Es erfordert immense mentale Reserven, ständig den nächsten Schachzug zu planen. Wenn diese kostbare Energie freigesetzt wird, wirst du dich lebendiger, unbeschwerter und spontaner fühlen.

9. Du wirst dich ruhiger fühlen

Die ganze Arbeit, die du leistest, um sicherzustellen, dass das Leben einen bestimmten Weg geht, hält dich auf Trab. Gerade wenn du anfängst, dich zu entspannen, erinnert dich dein Gehirn an eine Sache, die du in Ordnung bringen, vorhersehen oder verbessern musst. Je weniger du kontrollierst, desto mehr entspannen sich dein Körper und Geist.

10. Du wirst dich auf andere verlassen

Wenn wir alles selbst in die Hand nehmen, denken andere, dass wir sie nicht brauchen. Die Menschen in deinem Leben wissen vielleicht nicht, dass du Halt benötigst oder dir tiefere Beziehungen wünschst. Wenn du andere an dich heranlässt und um Hilfe bittest, können deine Beziehungen inniger werden.

Dieser Punkt 10 ist das, was ich als wunderbares Gefühl in meinem Herzen aufnehmen durfte. Dankbarkeit für so viel Unterstützung, Menschen, die einfach ohne zu fragen da sind, die für mich staubsaugen, weil es mir so weh tut, die für mich kochen, weil ich gerade schlecht stehen kann, die mir Zuhören, wenn ich gerade mit Gott und der Welt hadere, die mich ins Spital fahren, die mir Karten schicken, Briefe mit einem Teebeutel drin ;-), die mir ein Whatts senden, die an mich denken, für mich beten…

Ich bin so dankbar für jedes einzelne Zeichen der Liebe, der Freundschaft, der Verbundenheit, vermutlich, weil ich es zulasse… DANKE allen von ganzem Herzen. Ich fühle mich als echten Glückspilz!

Gefällt Ihnen dieser Blog? Dann erzählen Sie es bitte weiter!