Wechseljahre und das Erbgut…

Im Alter nimmt die Nierenkraft immer mehr ab. Das hat mit einer Erbanlage zu tun, die uns ein Leben lang zur Verfügung steht. Vereinfacht ausgedrückt, ist das Jing unsere Essenz, die wir von unseren Eltern mitbekommen haben. Es ist ähnlich dem Erbgut und sitzt nach TCM in den Nieren.

Du kannst es dir wie eine sehr wertvolle Flüssigkeit vorstellen, die jedem Menschen seine unverwechselbare Identität gibt.

Bei der Zeugung fließen die Essenz der Mutter und die Essenz des Vaters zusammen und bestimmen die einzigartige Konstitution des Kindes.

Deshalb bereiten sich Paare mit Kinderwunsch laut chinesischer Tradition auch 2 Jahre auf die Empfängnis vor. In dieser Zeit stärken sie ihre Nieren und ihre Essenz, um dem Kind einen möglichst guten Start zu ermöglichen.

Viel Jing bedeutet einen kräftigen Körper, viel Lebenskraft (Vitalität) und eine gute Widerstandskraft gegen Krankheiten und widrige Umstände.

Wenn du jetzt erschrickst, weil du von deinen Eltern nur wenig Jing mitbekommen hast, möchte ich dich beruhigen:

Auch mit wenig Jing kann man gesund und lange leben!

Das Geheimnis:

Ernähre dich ausgeglichen und regelmäßig und pflege einen maßvollen Lebensstil! So wird dein Jing bewahrt und hält das ganze Leben lang – auch wenn du weniger als andere mitbekommen hast.

Stichworte dazu:

Frisch kochen, viel Gemüse essen, wenig Kaffee und Alkohol trinken, ausreichend schlafen, Ausgleich zwischen Arbeit und Erholung, maßvolle Bewegung, ausgeglichene Emotionen…

Ich glaube, du weißt, was ich meine!

Ein schönes Sprichwort dazu lautet:

„Betreibe alles mit Mäßigung, auch die Mäßigung selbst.“

Das Jing ist zuständig für:

  • Fortpflanzung/Fruchtbarkeit
  • Wachstum
  • körperliche und geistige Entwicklung
  • Alterungsprozess

Das Jing kontrolliert die langfristige Entwicklung durch die Zeit eines ganzen Lebens:

„Bis zur Pubertät wird Jing zum Wachstum und zur Reifung der Organe benötigt, nach der Pubertät zum Erhalt der Organfunktionen und zur Fortpflanzung. Im Alter erlischt mit abnehmender Menge des Jing die Fortpflanzungsfähigkeit und langsam auch die Funktionstüchtigkeit des Organismus – bis hin zur völligen Erschöpfung des Jing im Tod.“ (Quelle: www.shiatsu-austria.at)

Es ist also normal, dass das Jing im Alter abnimmt, aber du kannst bestimmen, wie schnell das geschieht!

Symptome von Jing-Mangel sind:

  • Unfruchtbarkeit
  • Amenorrhoe (ausbleibende Menstruation)
  • geringe Spermienanzahl
  • nächtlicher Samenverlust bzw. vorzeitige Ejakulation
  • mangelnde Libido
  • Impotenz
  • verzögerte Entwicklung bei Kindern
  • vorzeitiges Ergrauen und Haarausfall
  • vorzeitige Menopause
  • Schwerhörigkeit
  • schwache Hüften, Knie und Rücken
  • vorzeitiger Zahnverlust
  • Osteoporose
  • Vergesslichkeit
  • Morbus Alzheimer

Das Jing ist die Basis von Yin und Yang im Körper, vereint also beide Aspekte.

Ein Jing-Mangel bedeutet also sowohl Yin- als auch Yang-Mangel. Das heißt, sowohl das Feuer (Yang) ist im Mangel als auch die kühlende Substanz (Yin).

Für die richtige Ernährung bei Jing-Mangel bedeutet das:

  • Meide sowohl erhitzende als auch stark kühlende Nahrung.
  • Zu viele kalte Zutaten (z.B. Mineralwasser, Rohkost wie Tomaten und Gurke, Jogurt) schwächen das Feuer (Yang) noch mehr, und damit mit der Zeit auch das Jing.
  • Zu viele erhitzende Zutaten (z.B. Chili, Knoblauch, Zimt, Yogi-Tees) würden das Yin noch weiter schädigen und die wertvolle Essenz auf Dauer „verbrennen“.

Nahrungsmittel, die das Jing stützen, sind vorwiegend

  • Säfte spendend
  • sanft kühlend bis sanft wärmend
  • salzig oder leicht bitter
  1. Amaranth
  2. Austern (gute Qualität)
  3. Blütenpollen
  4. Hirse
  5. Kichererbsen
  6. Kirsche
  7. Linsen
  8. Maroni
  9. Maulbeerfrüchte
  10. schwarze Sojabohnen
  11. schwarzer Sesam und Sesamöl (nicht geröstet)
  12. Walnuss

Bevor du dir jetzt gleich einen Berg Hirse mit Kirschen und Maroni zubereitest, eine kleine Warnung:

Um das Jing zu stärken und bei Mangel wieder aufzubauen, braucht es Geduld!

Iss lieber regelmäßig eine Auswahl der Jing-Tonika in kleiner Menge statt ab und zu eine große Menge davon. 

Beispiele:

  • Streue dir 1 TL schwarzen Sesam (am besten gemörsert) über dein gekochtes Frühstück.
  • Füge je nach Saison ein paar Maroni, Walnüsse oder Kirschen zu den Mahlzeiten dazu.
  • Verwende etwa zweimal die Woche Linsen oder Kichererbsen (auch aus der Dose (Bio) empfehlenswert).

Die Jing-Tonika sind kein Ersatz für einen insgesamt günstigen Lebensstil  – mit guter Ernährung, ausreichend Schlaf, Bewegung, guten Beziehungen und Psychohygiene.

Jing ist die wertvolle Essenz, die wir von unseren Eltern mitbekommen, vergleichbar dem Erbgut.

Das Jing wird in den Nieren aufbewahrt und beinhaltet Yin und Yang.

Das Jing bestimmt die Entwicklung im Mutterleib und in der Kindheit, das Wachstum, die Fortpflanzung und den Alterungsprozess.

Wir werden alle mit einer vorgegebenen Menge an Jing geboren, die wir nicht beeinflussen können.

Durch einen günstigen Lebensstil können wir unser Jing bewahren und für ein langes, gesundes Alter vorsorgen. Das beinhaltet neben Ernährung auch einen gesunden Schlaf, Bewegung, gute Beziehungen und ausgeglichene Emotionen.

Es gibt einige Nahrungsmittel, die das Jing nach TCM speziell stärken.

Füge regelmäßig einige zu deinen Mahlzeiten dazu, um dir etwas Gutes zu tun.

Jing-Tonika können einen gesunden Lebensstil nicht ersetzen.

Quintessenz: Bei welchen Beschwerden nützt die TCM?

Der Übergang in den Wechsel passiert schleichend und dauert meist mehrere Jahre. In dieser Zeit werden bis zu 80 % der Frauen von klimakterischen Beschwerden begleitet. Dazu können zählen:

Hitzewallungen und Herzrasen

Hitzewallungen sind die häufigste Nebenwirkung in den Wechseljahren. Etwa 85 % der Frauen berichten im Laufe dieser Phase von Hitzewallungen. 45 % der Frauen verspüren selbst 5 – 10 Jahre nach der Menopause noch vereinzelt Wallungen.

In der TCM entspricht das Blut der Kühlflüssigkeit im Körper. Durch die Abnahme der Nieren-Essenz arbeitet auch die Milz, die in der TCM auch für die Blutbildung verantwortlich ist, langsamer. Wenn weniger Blut produziert wird, kann der energetische Gegenpol, die Hitze, nicht mehr ausreichend im Körper verankert werden. Folglich steigt die Hitze nach oben zum Kopf, den Schultern und zur Körperoberfläche, was zu Hitzewallungen, Herzrasen und nächtlichem Schwitzen führt.

Schlafstörungen

Ein Substanz-Mangel der Niere beeinträchtigt auch die Schlaftiefe. Durch den Blut-Mangel wird das Herz nicht ausreichend mit Blut versorgt – die Folge sind Ein- und Durchschlafstörungen mit vielen Träumen, Nachtschweiß, Herzklopfen, innere Unruhe und erhöhte Temperaturen nachmittags und in der Nacht. Häufig wachen Betroffene auch sehr zeitig auf und können nicht mehr einschlafen.

Emotionale Unausgeglichenheit

Jeder kennt das: Wenn man nicht genug schläft, wird man leicht reizbar und „launisch“ – man merkt den Energiemangel. Diese Beschwerden können sich noch verschlimmern, wenn das das Qi der Leber – so die TCM – gestaut ist: Ein gestautes Leber-Qi kann sich durch Wutausbrüche oder Reizbarkeit äußern.

Gewichtszunahme

Viele Frauen klagen in den Wechseljahren über Gewichtszunahme – besonders an den Hüften und in der Taille. Aus Sicht der TCM ist die Gewichtszunahme auf die Verlangsamung der Milzfunktion zurückzuführen. Doch auch Hitzezustände im Magen können zu regelrechten Heißhungerattacken führen und dadurch zu einer Gewichtszunahme beitragen.

Mit Diäten oder Hungerkuren wird die Energie in den Nieren und damit auch die Verdauungskraft nur noch weiter geschwächt, was zu einer Verstärkung der Wechseljahrbeschwerden führen kann. Die TCM empfiehlt daher statt einer reduzierten Energiezufuhr, den Körper mit einer auf die speziellen Bedürfnisse abgestimmten Kräuterarznei sowie Akupunktur und einer angepassten Ernährung zu stärken und wieder sanft in sein Gleichgewicht zu führen.

Trockenheitssymptome

Aufgrund der abnehmenden Milz-Energie stehen dem Körper neben einer geringeren Blutmenge auch weniger Körperflüssigkeiten zur Verfügung, die den Körper und die Organe befeuchten. Das führt zu Trockenheitssymptomen wie trockene Haut und Schleimhäute, trockenem Mund, Augen, Haaren, Fingernägeln, Lippen und im Genitalbereich. Aber auch ein gesteigertes Durstgefühl oder trockene Verstopfung sind häufige Symptome, die in dieser Lebensphase auftreten.

Herz- und Kreislauf-Erkrankungen

Schweiß ist der Saft des Herzens. Häufige Schweißausbrüche schwächen das Herz und können mitverantwortlich für Herzrhythmusstörungen sein. Hitzezustände im Brust- und Kopfbereich, die häufig durch eine Qi-Stagnation in der Leber verursacht werden, können außerdem Bluthochdruck und ein Engegefühl in der Brust hervorrufen. Begleitet werden diese Symptome häufig von Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen und Schwindel.

Osteoporose

In der TCM sind die Nieren unter anderem auch für die Festigkeit der Knochen verantwortlich. Gelangt die Nieren-Energie in einen Mangelzustand, kann das einen Rückgang der Knochendichte zur Folge haben und somit Ursache für Osteoporose sein.

Achte auf eine ausgewogene Ernährung

Die chinesische Ernährungslehre hat als eine der 5 Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin seit jeher einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung von Ungleichgewichten. Nahrungsmittel gelten als „sanfte Therapeutika“, die ähnlich wie Arzneimittel eine spezielle Wirkung in unserem Körper entfalten. Mit ihrem unterschiedlichen Temperaturverhalten und Geschmacksrichtungen werden sie gezielt eingesetzt und können uns so bei der Erhaltung und Wiedererlangung von Gesundheit behilflich sein.

  • Regelmäßig essen: Nimm regelmäßig nährstoffreiche, ausgewogene Mahlzeiten zu dir.
  • Auf die Menge der Nahrung achten: Pass deine Nahrungsmengen an, das heißt, iss weder zu viel noch zu wenig. Zu große Nahrungsmengen beeinträchtigen und schwächen unseren Körper genauso wie zu wenig Nahrung.
  • Warm frühstücken: Frühstücke warm und versuche, nach 20 Uhr nichts mehr zu essen, da alles, was man spät abends isst, unverdaut im Magen bleibt.
  • Gekochtes Essen bevorzugen: Iss vorwiegend gekochte Mahlzeiten und meide kalte und rohe Speisen und Getränke. Warme Mahlzeiten sind für unsere Milz viel bekömmlicher als rohe Kost, für die sie ungleich mehr Energie aufwenden muss, um sie in körpereigene Energie umzuwandeln.
  • Frittiertes vermeiden: Meide fettiges, frittiertes Essen, gefrorene Speisen, Milchprodukte, Zucker- und Weißmehlprodukte, Kaffee und Alkohol, Kohlensäurehaltige Getränke, heiße und stark gewürzte Speisen, Fertigprodukte und Mikrowellennahrung.
  • Frisches statt Tiefgekühltes: Bevorzuge gedünstetes, frisches Gemüse, dunkles Blattgemüse, Eier, Rosinen, Mandeln, Walnüsse, Sonnenblumenkerne und Kürbiskerne, Knochensuppen, Sojaprodukte, Fisolen, Kidney-Bohnen und schwarze Bohnen, Mungobohnen und Mungbohnensprossen, schwarzen Sesam, Meeresalgen, ölhaltigen Fisch wie Sardinen, Lachs, Thunfisch und Makrele sowie Vollkornprodukte.

Für den reibungslosen Fluss von Blut und Qi ist regelmäßige Bewegung wichtig. Ohne tägliche Bewegung fließt das Qi unruhig und wir geraten körperlich und emotional aus dem Gleichgewicht. Vor allem, wenn du zu Zorn, Frustration und Reizbarkeit neigst oder über Kopfschmerzen klagst, solltest du besonders auf regelmäßige Bewegung achten, um das Qi in Fluss zu halten.

Probier sanfte Bewegungsformen wie Yoga, Tai Chi, Qi Gong – diese eignen sich besonders gut, um unsere Essenz zu bewahren und neue Energie aufzubauen.

Sorge für ausreichende Erholungsphasen, auch zwischendurch. Trink eine Tasse deines Lieblingstees, atme tief durch und genieße die Zeit für dich. Geh jeden Tag zur selben Zeit schlafen. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus beugt Schlafstörungen vor und sorgt für einen erholsamen Schlaf.

Gefällt Ihnen dieser Blog? Dann erzählen Sie es bitte weiter!

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email