Was hat Demenz mit der Glühbirne zu tun?

„Ich weiß nicht was der Mensch mit dem Gehirn auf organischer Ebene anstellt, aber ich kann aus einer anderen Perspektive sagen, wie ich das Geschehene sehe. Ich habe viele Geschichten von Menschen gehört, die Entwicklungsphasen ihrer Eltern und Freunde beschrieben haben und wie sie sich allmählich veränderten. Ich habe schon oft gehört, wie schwierig es ist, mit den emotionalen Ausbrüchen umzugehen und wie schwer es ist, zu sehen, wie sich die Eltern auf eine Weise verhalten, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Sie können aggressiv oder ängstlich oder laut sein oder einfach nur emotional anders als so, wie man sie vorher kannte“.

Viele Menschen unterdrücken ihre Emotionen über viele Jahre hinweg, als packten sie alles sicher in einen Koffer. In der Demenz funktioniert der Teil des Gehirns, der für Unterdrückung zuständig ist, nicht mehr gut. All das, was einst gut verschlossen war, kommt hervor, schubweise, und das kann für eine Mutter sehr befreiend sein aber nicht für ihre Tochter, die damit nicht umgehen kann. Viele Menschen halten an der Unterdrückung von Emotionen fest, so wie sie konditioniert wurden, so dass sie selbst nicht wirklich bewusst damit arbeiten können.

In der Demenz werden die Emotionen zu stark oder ungefiltert ausgedrückt, was nicht unbedingt eine schlechte Sache ist. Es ist kein Prozess mit dem sie bewusst arbeiten können. Es passiert einfach, weil die Bremsen kaputt sind. Diese Mutter hat vielleicht nie zuvor ihre Wut gezeigt, weil sie diese unterdrücken konnte. Jetzt kann sie das nicht mehr, denn sie hat nie gelernt wie sie mit ihrer Wut umgehen kann. Wut ist eine Kraft die eigentlich schön und warm ist und Kraft gibt, wenn man mit ihr arbeitet und nicht dagegen ankämpft. Das Beste, was man für diese Mutter tun kann, ist die eigene Wut zu spüren. Es verwirrte diese Tochter das das Fühlen ihrer eigenen Wut ihrer Mutter helfen könnte, daher ging Anouk Claes ausführlicher darauf ein. Diese Mutter kann eine emotionale Reaktion mit dem Teil ihres Geistes spüren der noch in Ordnung ist. Wenn man Nähe mit jemandem mit Demenz erleben will, dann fühle mit diesem Menschen zusammen. Wut ist etwas, wovor die Menschen Angst haben, aber wenn man sich erlaubt, die Wut zusammen zu spüren, wird sich der demente Mensch davon getragen fühlen, und das könnte helfen die eigenen Emotionen besser zu spüren. Die Tochter wandte ein, dass Sie von anderen gehört habe sie solle mit Liebe arbeiten. Anouk Claes antwortete, dass sie bei diesem Ansatz ihre Absichten sorgfältig prüfen müsste. Liebe zu senden, kann heikel sein, wenn die Botschaft dahinter die Wut als schlecht einstuft. Man stelle sich eine Situation vor, in der man wirklich wütend auf eine Person ist und diese Personen bleibt einfach ganz ruhig. Das macht einen noch wütender, weil man das Gefühl hat, dass die andere Person einen nicht ernst nimmt. Wenn eine Person wütend ist, ist es wichtig diese Wut zu respektieren. Wenn man antworten kann, indem man die eigene Wut fühlt, ist das ein liebevoller Ansatz, denn es gibt in diesem Moment eine wahre Akzeptanz des anderen Menschen. Aber das funktioniert nur, wenn man die eigene Wut zulässt. Nur wenn man gelernt hat, diese Kraft in sich selber zu lieben, kann sie nicht vorgetäuscht werden. Menschen haben in der Regel das Bedürfnis nach Verständnis. Das ist es, was an einen herantritt, wenn eine Person in der Nähe wütend ist, auch wenn sie es nicht auf einen selber ist.

Man kann eine Emotion mit einer Glühbirne vergleichen. Je mehr die Lampe aufgedreht wird, desto stärker sind die Strahlen aber natürlich ändert sich die Glühbirne selbst nicht. Sie bleibt, wo sie ist und wird auch nicht größer. Es leuchtet nur heller…

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