Heute wird es sehr persönlich

Heute wollte ich es mir richtig gemütlich nehmen und so schaffte ich es auch. Ein herrlicher Sonntag, etwas trübe und es lässt sich mit dem über 90% angesagten Regen Zeit. Ich habe Leo versorgt und kroch dann zurück ins Bett um an meinem spannenden Buch weiterzulesen! Mit Hampi trank ich dann Tee, als er aufstand und plötzlich entwickelte sich ein Gespräch, über das ich aus tiefstem Herzen dankbar bin. Ich mache mir viele Gedanken darüber, ob ich mit der Chemo weitermachen kann. Im Moment geht es mir so schlecht, es ist mir so speiübel mit Krämpfen und Magenbrennen, dass ich Mühe habe, Wasser zu trinken, geschweige denn etwas zu essen. Ich fürchte mich vor dem 3. Mai, der nächsten Chemo jetzt schon, als würde ich dann gekreuzigt werden. Ich spüre, dass ich an einem Kreuzweg stehe, und dass es darum geht, mir selber, meiner inneren Führung und meinem Körpergefühl, seinem Bedürfnis zu folgen und zu vertrauen. Zuerst einmal musste ich überhaupt lernen, meine Bedürfnisse wahr zu nehmen und ich denke, da gibt es viel Luft nach oben. Ich schaue zurück auf diesen meinen Weg und spüre, dass ich gut geführt wurde, dass es sicherlich Umwege gab, die wichtig waren, für mich, für andere? Keine Ahnung… Keine Chemo zu wollen war genauso gut, wie der Chemo dann doch zuzustimmen. Ich merke jedoch jetzt, dass ich an dem Punkt stehe, wie bei der Fiebertherapie, an dem es nicht weitergeht. Ich habe natürlich Angst davor, zu sagen, dass ich um eine Pause bitten muss, weil ein Anteil in mir nach wie vor meint, ich müsse all das tun, um gesund zu werden… aber ein viel grösserer Anteil in mir ist überzeugt, dass es um dieses Wahrnehmen geht, das Spüren und das Entscheiden: Selbstverantwortung zu übernehmen. Darum, das Ziel weiter im Blick zu haben, jedoch den Weg selber zu wählen und Pausen zu setzen, wenn sie nötig sind. Ich lese gerade vom Appalachian Trail, sah gestern einen Film über den Luchstrail in der Steiermark. Diese Wege muss jeder für sich selber gehen, jeder spüren, was er „heute“ schafft und was nicht. Keiner käme ans Ziel, wenn der Sklaventrieben sagen würde, dass es immer vorwärtsgehen muss und immer auf die harte Tour und immer die Geisel schwingend!
Ich muss einfach wieder zu Kräften kommen, bevor ich mich weiteren Torturen aussetzen kann. Viele Menschen in meinem Leben glauben zu wissen, welches der richtige Weg ist und ich bin überzeugt davon, dass das stimmt, denn es wäre vermutlich IHR richtiger Weg.
Ich selber kann jedoch immer nur für mich entscheiden und einstehen und im Moment muss ich wieder zu Kraft kommen, muss meine Mitte wieder gesund werden lassen, sich wieder in ein Heilsein/Balance bewegen lassen… Ich wünsche mir so sehr, dass das PET-CT am Mittwoch Erfolge zeigt, aber eigentlich brauche ich das nicht, um zu wissen, dass ich seit 3 Wochen fast ohne Schmerzmittel auskomme und dass der Krebs zwar tastbar ist, aber nicht mehr so gross, deutlich zurückgegangen.
Ich habe natürlich das grosse Bedürfnis, mir diese Eindrücke bestätigen zu lassen, mich dazu ermuntern zu lassen, dass ich das darf, so, wie ich stets darauf gewartet habe, dass Hampi mir sagt, dass es ok ist, beim Essen auch mal über die Stränge zu schlagen… Ich habe nie gelernt, meinem Körper zu vertrauen, auf ihn zu horchen, zu spüren, was er jetzt braucht. Er war immer der Sklave, immer ein Opfer, aber das ist Vergangenheit!
Und das ist jetzt meine Lektion, meine Chance, meine Möglichkeit und diese will ich annehmen. Ich stehe heute an einer massiven Kreuzung und ich bin gespannt, wohin der Weg mich führt…

Gefällt Ihnen dieser Blog? Dann erzählen Sie es bitte weiter!