Ferien… und wenn die Erwartungen einem in den Weg kommen…

„höhere Erwartungen“, wie hochtrabend! Ich weiss genau, wie ich mich erholen will. Ich will raus, will was erleben, was unternehmen, will Abenteuer und Bewegung, will alles miteinander und Schneeregen, Kälte, tiefhängende Wolken, geschlossene Restaurants, verriegelte Geschäfte und Bergbahnen in Revision können mir dann die Mundwinkel schon mal ein bisschen runterziehen. Ich gestehe, ich würde hier gerne schreiben, wie perfekt ich mit jeder Situation umgehen kann, wie diszipliniert und willensstark ich alles im Griff habe… Es gab Zeiten, in denen war es mein höchstes Ziel, diszipliniert und kontrolliert zu sein. Heute ist das (zum Glück) anders und ich merke, dass ich manchmal Zeit brauche, um zu hadern. Wie lange will ich das Opfer sein? Manchmal halte ich es doch recht lange aus, aber manchmal will ich schnell aus der Opferhaltung raus.

Ich hing also im Hotelzimmer, hatte schon Rückenweh vom auf dem Bett liegen (eine andere Möglichkeit „zu sein“ gab es nicht, vermisste Leo wie wild, dachte daran, was ich zuhause alles erledigen könnte… und vergass völlig, dass man in einem Buch Abenteuer miterleben kann, vergass, dass ich mich erholen wollte und das eigentlich gäbig ginge, wenn ich ein bisschen hängen könnte!

In diesen Ferien wird mir klarer und bewusster, wie schon ganz lange nicht mehr oder sogar wie noch nie, dass alles sein darf und kann. Ich darf motzen, wenn es regnet, ich darf mich nach Leo sehnen, ich darf über die geschlossenen Bergbahnen fluchen und ich darf tief durchatmen, mich aufs Abendessen freuen, das jemand für mich zubereitet hat, oder das ich selber zubereite, ich darf mein Weinchen geniessen, darf faul herumhängen, darf lesen oder auch nicht, darf mich kindlich freuen und mich nerven, darf in einer Regenlücke aufs Velo hopsen oder spazieren gehen, mit oder ohne Schirm. Ich muss nicht bester Stimmung sein, weil Ferien sind, ich muss nicht himmelhochjauchzen, wenn mir nach müffeln ist, aber was immer der Moment bringt, ich kann versuchen, ihn zu nehmen, so, wie er ist… auch wenn ich ihn nicht nehme, wie das Ich, das ich gerne wäre (immer parat, spontan, aufgestellt, empathisch, liebenswürdig, freundlich, klug, vorausschauend, lässig, optimistisch, lächelnd, strahlend, und vieles vieles mehr), sondern wie das Ich, das mich herausfordert (nörgelnd, fordernd, fokussiert, kontrolliert, strukturiert und stur, mit klaren Vorstellungen und Vorgaben und vieles mehr). Wir sind vielschichtig und das macht und einzigartig, oder nicht… Mir wird beim Schreiben schon leichter. 😉

Wer hat in den vergangenen Wochen wie ich gemerkt, dass er die Kontrolle, die er ein Leben lang so vehement an sich gerissen hat, nicht halten kann? Wo musstest du Kontrolle loslassen? Dich hingeben? Das ist keine einfache Lektion und ich erlebte verschiedenste Arten davon bei meinen Klienten, Freunden, in der Familie, tragisch zuweilen, ein Meer von Emotionen… und das Leben nimmt niemanden aus, vergisst niemanden, wenn es darum geht, freundlich Lektionen zu verteilen, und wenn es nur die ist, Ferien zu erleben, die man sich so gar nicht so vorgestellt hat… Manchmal bin ich echt stur, wenn es darum geht, die Chancen, die uns das Leben schenkt, zu nutzen… Widerstand geben, das kann ich, und dennoch gewinnt immer das Leben, pulsierend, fliessend. Es ist immer grösser, kraftvoller, leichter und agiler als wir.

und was das Essen anbelangt… da scheine ich in einem guten Drive unterwegs zu sein. Vielleicht haben die Tipps, die ich vor den Ferien notierte, mir selber gut geholfen. Ich kann sie also wirklich wärmstens empfehlen, aus eigenem Test.

In diesem Sinne: einen wunderschönen verregneten Sonntag und eine Pfingstwoche, die vielleicht doch noch ein paar Ausflüge zulässt… Jammern auf hohem Niveau… Manchmal ist es einfach so 🙂

Gefällt Ihnen dieser Blog? Dann erzählen Sie es bitte weiter!

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email