Fatigue

Das Fatigue-Syndrom bezeichnet ein Gefühl von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Es beeinträchtigt das Leben der Betroffenen nachhaltig und lässt sich auch durch viel Schlaf nicht beseitigen. Anders als die eigenständige und seltene Erkrankung des Chronischen Fatigue-Syndroms ist das Fatigue-Syndrom eine Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen wie Krebs, Rheuma und HIV/Aids oder Folge aussergewöhnlicher Belastungen wie Chemotherapien

Ja, ich stecke gerade in diesem Prozess der Chemotherapie, zwar noch am Anfang, aber meine liebe Onkologieschwester hat gesagt: bald sind sie ein richtiger Profi…

Vom Hörensagen weiss man, dass Chemotherapie eine ganz fürchterliche Sache ist und ich dachte immer, es müsse schlimmer als die Krankheit selber sein, unter diesen Folgen leiden zu müssen. Ich erfuhr am eigenen Leibe, dass es bei weitem schlimmer ist, das Gefühl zu haben, innerlich auseinandergefetzt zu werden und mit den Schmerzen nicht mehr zurande zu kommen. Die erste Chemotherapie verlief sehr gut, ich fühlte mich danach ganz aufgekratzt und beschwingt, fuhr mit meinem Auto wieder nach Hause und freute mich über dieses Stück Freiheit. Von den zu erwartenden Symptomen hatte ich eher humane Folgen. Die Kälteempfindlichkeit stellte sich gar nicht ein, auch an Übelkeit kann man nicht denken, allerdings ein flaues Gefühl im Magen ist permanent da und nimmt mir den Appetit, oder zumindest die Vorfreude aufs Essen. Eine grosse Müdigkeit scheint ständiger Begleiter zu sein. Ich, als Energiebündel, bin geschafft, wenn ich das erledigen konnte, was ich früher VOR dem Arbeitstag noch schnell hingezaubert habe… Man lernt plötzlich auf einen anderen Rhythmus zu hören!

Ich möchte aus Erfahrung weitergeben: lausch auf deinen Körper! Viele Coronapatienten erfahren Erschöpfung am eigenen Leib und merken, wie gross diese auch nach mehreren Tagen, manchmal Wochen noch ist. Es nützt niemandem, sich dann zu überfordern. Höre auf deinen wunderbaren intelligenten Körper und wenn dieser sagt: jetzt ist fertig, ich kann nicht mehr, dann ist es so! Geh nicht einfach unachtsam an dieser Botschaft vorbei.

Vor nur wenigen Blogs ging es um Kontrolle und das Abhaken wollen der to-do-Liste… Früher war mir genau das der Antrieb, das Wichtigste, dass ich abends meine Pflichten erfüllt hatte. Nach dem Nachtessen erschöpft in den Sessel zu sinken und zu wissen: alles erledigt! Das fühlte sich so gut an! Und jetzt frage ich mich, welche Befriedigung das wirklich war!

Heute bin ich so dankbar und glücklich, wenn ich atmen kann, wenn die Schmerzen mich schlafen liessen, wenn ich mir etwas kochen konnte und Leo versorgen kann. Mehr geht in der Regel nicht, aber es fühlt sich 100x besser an, als das Abhaken von to-do-Listen, obwohl das noch vor einem halben Jahr mein ganzes Streben fürs Tagesziel war.

Wir sind flexibler als wir denken! Wir können so vieles verändern, wenn wir müssen. Muss es immer die Holzhammermethode sein? Vielleicht bei dir nicht! Ich wünsch es dir!

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