Entscheidungen – wie einfach trifft man sie?

Viele haben mitgekriegt, dass ich seit November mit der Diagnose Krebs lebe und mich voller Mut und Vertrauen in diese Chance gestürzt habe. Nach wie vor ist mein Vertrauen gross, mein Glaube an die Chance da, die Aussichten stehen aktuell einfach schlechter. Ich habe erfahren, dass der Krebs seit der Operation im Dezember explodiert ist. Wie wenn man in einen Ameisenhaufen sticht, haben sich die Krebszellen gegen das Eindringen gewehrt und sich stark gemacht.

Aus diesem Grunde ist eine erneute Operation keine gute Idee, aber auch keine Option, weil die Metastasen inoperabel sind, da das Bauchfell und das Zwerchfell betroffen sind.

Schon einmal nach der OP stand ich vor einer Entscheidung, die relevant war für meinen künftigen Weg und ich konnte diese so klar formulieren, weil sie in mir in einer Ruhe aufstieg und sich ausbreitete, dass es einfach keine Frage gab, wie es weitergeht. Diesen Weg bin ich gegangen und habe ganz viel gelernt dabei, durfte die Nordlichter sehen und mit allem Vertrauen aufs Gesundwerden bauen.

Heute stehe ich erneut vor einer Entscheidung, sie ist schwieriger, da es eine Entscheidung zwischen Pest oder Cholera ist… Ich habe nächtelang gegrübelt und Übles gedacht. Als mir die Onkologin am Freitag erklärte, dass sich der Krebs explosionsartig ausgebreitet habe und sie mir eine Chemotherapie anbieten möchte (aus Mangel an Alternativen), damit wir sehen, ob mein Krebs darauf reagiert, wurde es plötzlich ruhig in mir. Ich spürte so deutlich, dass DAS jetzt mein Weg ist und der einzige, ausser Aufgeben. Ich bin noch nicht bereit, aufzugeben. Ich glaube nach wie vor an eine Chance! Ich spüre, wie mein Verstand zwischenzeitlich losgaloppiert und mir einreden will, dass das eine schlechte Wahl sei, dass diese Zukunft ohne Haare mit Nervenschmerzen und Erbrechen, Durchfall, Geschmackverlust u.v.m. niemand wolle… Ich weiss es, in mir lächelt es und weiss, es stimmt, es ist nicht das, was ich möchte, es könnte mich an meine Grenzen bringen… Dennoch sagt mir diese innere Ruhe und das Lächeln, das irgendwo in meinem Herzen leuchtet: tu es, trotz allem!

Erstaunlich, wie sich Entscheidungen ergeben, wenn es der Moment zur richtigen Entscheidung ist. Wie sehr habe ich mich damit schwer getan, für Leo Entscheidungen zu fällen. Das war fürchterlich! Weil ich es immer besser machen wollte und Furcht hatte, eventuell nicht das Beste entschieden zu haben. Manchmal hilft dann zuletzt ganz pragmatisch das Werfen einer Münze! Ich habe eine andere Möglichkeit, die ich anwende, damit der Geist nicht mitredet. Dafür schreibe ich mögliche Lösungen auf verschiedene Blätter, lege sie auf den Boden, dass ich nicht sehe, was draufsteht, stelle mich drauf und spüre, was in meinem Körper passiert. Wo ein gutes, stabiles Gefühl entsteht, ist die Entscheidung leichter und die Möglichkeit annehmbar. Wo Negativität oder Angst oder Beklemmung aufkommt, stimmt der Weg nicht. Der Körper lügt nicht. Er sagt, was Sache ist und danach richte ich mich.

Zu Entscheidungen gehört auch das Hadern. Als unser Leo so krank war und wir täglich um sein Wohlergehen kämpften, habe ich x Tierkommunikationen machen lassen, mich selbst hinterfragt, alles an Homöopathie herausgeholt, Bioresonanz machen lassen, bin zum Tierarzt gejagt… Leo vermittelte mir immer, dass alles gut sei, so, wie es sei. Ich jedoch fand es gar nicht gut, glaubte, er müsse Schmerzen leiden, wollte zwanghaft sein Leid ändern, das ich sah, Leo jedoch weder zeigte noch erwähnte. Nach langem Hadern erst erkannte ich: ja, es ist alles gut für Leo. Er kann zwar nicht mehr stundenlang spazieren, aber genau das war gut für ihn (und ich konnte es nicht akzeptieren). Er musste gesalbt, gehätschelt und betütelt werden, was ihm ja nur gut tat (Liebe und Vicks Vaporub… erinnert ihr euch?) und ich glaubte, er müsse sich deswegen immer kränker fühlen. –> Ich akzeptierte plötzlich, dass Leo einfach eine Veränderung durchmacht und vieles nicht mehr geht wie früher und als ich das akzeptieren konnte, entspannte ich mich, Leo sich und wir entschieden uns irgendwie leicht für Goldimplantate und seit 5 Jahren ist Leo beschwerdefrei…

Oft muss man sich an das hingeben, von dem man glaubt, es dürfe nicht sein.

Wer glaubt, es dürfe nicht sein, dass ich krank bin und gerade an meine Grenzen komme, den frage ich, woher er das weiss… Ich glaube, dass es mein Leben ist… Leiden möchte niemand, klar! Leben schon! Und manchmal kommt eben beides zusammen…

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