der Alltag…

Ist es nicht in den meisten Partnerschaften so, dass sich mit der Zeit Verhaltensweisen einschleichen, die den Alltag trüben, wie der besagte Tropfen den Stein höhlt, das Feuer schwächen, die Farben verblassen lassen, bis man sich darauf besinnt, miteinander spricht und die „Politur“ hervorholt, damit die Farben im Alltag wieder leuchten können!

Der Artikel, den ich heute gelesen habe, lieferte mir tolle Hinweise und die würde ich gerne mit euch teilen:

Immer mehr Paare um die Lebensmitte stellen fest, dass sie sich im Laufe der Jahre entfremdet haben. Laut einer Schweizer Studie ist die Scheidungsrate nach 30 Partnerschaftsjahren am höchsten. 41 Prozent der langjährig Verheirateten gaben an, mit der Beziehung unzufrieden zu sein. Doch nicht alle Paare lassen sich auch tatsächlich scheiden; viele haben die Beziehung innerlich aufgekündigt und leben nebeneinander her. Gelegentlich hält einen auch die Angst vor dem Alleinsein von der Trennung ab.

Ist das nicht schrecklich? Warum tun wir das? Hampi und ich haben uns so vielen Krisen gestellt und es ist nicht immer einfach, weder für ihn noch für mich. Wir sind uns bewusst, dass es zwei braucht, zwei um sich zu lieben und zwei, um zu streiten. Wir spüren jedoch auch in der Krise, dass wir uns lieben, dass wir zusammengehören und an dieser Tatsache halten wir fest, wenn der Sturm uns um die Ohren heult. Das Thema Kommunikation ist eines, an dem wir immer wieder feilen und uns die Zähne ausbeissen ;-).

Die Gründe für die innere Distanzierung sind individuell unterschiedlich, in Umfragen haben sich folgende Ursachen herauskristallisiert.

1. Erwartungsdruck: Medien wie Filme, Bücher, Umfragen, Zeitschriften, Songs vermitteln ein Bild von Beziehung, das sich nur sehr bedingt mit dem Alltag deckt, dies weckt überhöhte Erwartungen; beim Einkaufen, beim Staubsaugen und beim Wäschebügeln ist der Romantikfaktor gering.

Der schillerndste Traumprinz entpuppt sich eines Tages als eine ganz normale Person mit Stärken und Schwächen. «Es ist ein ziemlich sicherer Weg ins Unglück, vom anderen zu erwarten, dass er einen glücklich macht», schreibt der Arzt und Medizinjournalist Werner Bartens. Die Zufriedenheit müsse aus dem eigenen Inneren entstehen und dürfe nicht abhängig von den Zuwendungen des anderen gemacht werden.

2. Kommunikationsprobleme: Ein häufiger Stolperstein ist gemäss dem amerikanischen Beziehungsforscher John Gottman eine missglückte Kommunikation.

Pauschalisierungen: Früher oder später kommt es in den meisten Partnerschaften zu störenden Verhaltensweisen, wie beispielsweise häufige Unpünktlichkeit, Desorganisiertheit oder mangelnde Aufmerksamkeit. Unter Umständen staut sich dadurch beim Gegenüber Frustration auf, die sich in gereizten Bemerkungen ein Ventil sucht. Diese werden gerne mal als Pauschalverurteilungen formuliert. Dies klingt dann etwa so: «Weil du nie pünktlich sein kannst, habe ich viel wertvolle Zeit in meinem Leben verplempert» oder «Immer öfter frage ich mich, weshalb ich überhaupt einen Partner habe, wenn ich alle Probleme alleine durchstehen muss. Immer verdrückst du dich, wenn es schwierig wird.»

Aggressiver Umgangston: Vor allem in akuten Stresssituationen kommt es leicht zu Wortgefechten im gereizten Tonfall, unversehens schaukeln sie sich zu einem handfesten Streit hoch.

Angriff und Gegenangriff: Hinter verbalen Eskalationen steckt oft aufgestaute Unzufriedenheit. Wenn sie sich in die Beziehung einschleicht, wird die Kritik nicht selten pauschalisierend mit Formulierungen wie «immer», «jedes Mal» oder «nie» vorgetragen, diese wirken gemäss Gottman verheerend. Auf sie folgt oft als Retourkutsche ein reflexartiger Gegenangriff, nach dem Motto: Du sollst selber spüren wie schmerzhaft die Vorwürfe sind. Wenn du mich nicht schonst, lege ich mir auch keine Zurückhaltung auf. Dabei kann sich eine kommunikative Negativspirale entwickeln, aus der das Paar nur schwer wieder alleine herausfindet. Die Partner hören sich kaum mehr richtig zu. Um die Kritik der Partnerin oder des Partners zu relativieren oder als unberechtigt abzuwehren, wird auf eine Pauschalattacke häufig mit einer Verteidigungshaltung reagiert. Die Gespräche bestehen vor allem aus Angriffen, Rechtfertigungen und Gegenangriffen. In solchen Situationen können sich in der Beziehung Mechanismen der Kommunikation festsetzen, die langfristig sehr schädlich sind. Es kommt zu einem Gewirr von Rechtfertigungen, Verletzungen und Schuldzuweisungen. Die Dialoge führen kaum mehr zu Lösungen. Oft braucht es nicht mal mehr Worte, um den destruktiven Mechanismus in Gang zu setzen, ein missmutiges Seufzen, ein hörbares Schnauben sowie ein genervter Blick reichen aus.

Loyalitätskonflikt: In der Folge distanziert sich das Paar gefühlsmässig voneinander, die gegenseitige Loyalität wird innerlich infrage gestellt, weil die eigenen Bedürfnisse an die Partnerschaft kaum erfüllt werden. Die Empfänglichkeit von Flirtavancen von aussen steigt, weil unbewusst gehofft wird, bei einer anderen Person würden die Bedürfnisse nach Anerkennung und Wertschätzung eher erfüllt.

Wenn der Umgangston in der Partnerschaft öfters gereizt wirkt, ist es höchste Zeit für eine klärende Aussprache in einem ruhigen Moment. Wichtig ist dabei, dass sich beide Partner ausreden lassen und die Gesprächsmuster von Vorwurf – Gegenvorwurf oder gar Drohung überwinden wollen. Die Herausforderung ist es, die Nebenschauplätze, wie den unausgeräumten Geschirrspüler, die offen gelassene Zahnpastatube oder den nicht weggebrachten Abfallsack, beiseite zu lassen und das Kernthema aufzugreifen: die vermisste Unterstützung im Alltag, die mangelnde Wertschätzung und die entbehrte Zärtlichkeit.

Dabei sollte man auf Kritik möglichst verzichten, sondern vor allem von der eigenen Befindlichkeit sprechen. Mit der sachlich vorgetragenen Formulierung: «Ich finde, dass ich ziemlich viel im Alltag im Haushalt leiste. Ich wünsche mir, dass auch du deinen Teil dazu beiträgst, indem du mehr Arbeiten übernimmst, beispielsweise das Staubsaugen», kommt die Aufforderung beim Gegenüber nicht als Frontalangriff, sondern als konkreter Wunsch an. Auf dieser Gesprächsebene kann leichter eine Klärung und eine Kompromisslösung gefunden werden.

Einige Paartherapeuten empfehlen, diese Aussprachen regelmässig einzuplanen, nicht nur dann, wenn der Haussegen wieder mal schief hängt. Auf diese Weise stauen sich weniger Frustrationen auf, die sich in einem besonders unpassenden Moment entladen. Dabei hilft auch die Haltung, die Beziehung als nie endenden, gemeinsamen Entwicklungsprozess anzusehen, der immer wieder mal Missverständnisse und Unzulänglichkeiten, aber auch beglückende und bereichernde Momente mit sich bringt.

In einer Aussprache sollten auch die verbindenden Aspekte der Partnerschaft angesprochen werden. Besonders wichtig ist die Erwähnung der positiven Beiträge des Gegenübers. Gemäss der Faustregel von John Gottman braucht es für ein gutes Beziehungsklima für jeden Kritikpunkt fünf Komplimente.

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