Allein-Sein macht krank

Im März dieses Jahres wurde Tanja Stadler –Mitglied der Corona-Task-Force –gefragt, bei welchem Kilometer wir jetzt seien. Bundesrat Berset hatte ja im März 2020 das Bild vom Marathon eingeführt. Stadler sagte im März: «Wir stehen bei km 30.» Wer nachrechnet erkennt: Mitte August sollte fertig sein. Wir werden sehen ……..

Noch etwas anderes werden wir sehen: Ob wir imstande sein werden, die vielen Einsichten, die wir gewonnen haben, in die Normalität hinüber zu retten, zum Beispiel die Einsicht, dass Allein-Sein krank machen kann.

Wir lernten in den vergangenen Monaten wieder neu, wie richtig das alte Bibelwort liegt, welches sagt: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.

Jetzt dürfen wir einander wieder besuchen. Es gibt nur noch wenige Auflagen. Die Zeit war lang, in der man sich nicht «richtig» sehen durften. Viele haben darunter gelitten. Jetzt sind Besuche im Altersheim fast ohne Einschränkungen wieder möglich. In Frankreich, so habe ich gelesen, haben sie im letzten Jahr kleine Zelte erfunden, in denen Töchter und Söhne ihre alten Eltern besuchen konnten. Die Zelte standen im Garten des Heims; so brauchte man nicht durchs ganze Haus zu gehen. In den Zelten war man geschützt: vor dem Virus, vor Wind und Wetter -und vor den Blicken anderer. Man durfte dort sogar ohne Masken sitzen, nur mit einem dünnen Vorhang aus Plastik dazwischen. Endlich konnte man sich wieder in die Augen schauen; endlich lächelte man sich wieder an und hörte, was das Gegenüber sagt. Der dünne Vorhang half sogar dabei, einander zu berühren; man berührte ja nicht direkt die Haut. Eine solche Einrichtung war zu dieser Zeit ein Segen. Manche Bewohnerinnen und Bewohner blühten regelrecht auf, erzählt man sich noch heute; Söhne und Töchter von draussen ebenso. Es ist eben wichtig, dass man sich sieht und einander berühren darf. Das haben wir Menschen vermisst. Jetzt können wir einander wieder zeigen: Ich hab‘ dich nicht vergessen, Vater oder Mutter. Umgekehrt natürlich auch: Ich habe das Lachen meiner Tochter so vermisst, sagt der Vater, das macht mich lebendig. Jetzt spüren wir wieder, dass wir nicht alleine in der Wohnung auf bessere Zeiten warten müssen, sondern Nachbarn haben, Verwandte, Freundinnen und Freunde. Und nahe Verwandte, die in einem Heim leben und nun wieder «normal» Besuch bekommen dürfen. Es gibt viel zu erzählen. Und wir wollen danken dafür, dass wir uns haben–und uns nun wieder sehen dürfen. Es gibt ja Menschen, die sagen: Ich brauche niemanden. Hoffentlich sagen sie das nur. Und glauben es nicht auch noch. Oder leben so. Jeder und jede braucht andere Menschen als Gegenüber. Es müssen nicht viele sein. Es sollen aber Menschen sein, die auf uns achtgeben. Nicht kontrollieren sollen sie uns oder neugierig sein, sondern einfach acht geben auf uns. Menschen, die mal anrufen und nachfragen. Niemand ist eine Insel. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Wir Menschen brauchen einander -mal etwas weniger, mal viel mehr. Jeder und jede braucht Menschen, die achtgeben und sich um uns sorgen. Nur das hält uns lebendig. Text von Theo Leuenberger, Pfarrer

Macht dich dieser Artikel auch nachdenklich? Ich habe diese rigorosen Einschränkungen selber auch erlebt, im Umgang mit Klienten aber auch in der Familie. Da muss jeder selber wissen, wie er mit gewissen Auflagen umzugehen hat.

Wir brauchen einander, die Nähe, der Zuspruch, den Austausch, ein Lächeln, ein mutmachendes Wort… DAS würde ich jederzeit und zu 100% bestätigen, bekräftigen, unterschreiben. Hoffen wir, dass sich zwischenmenschliche Brücken mehr und mehr bilden neben den missmutigen Gesichtern, die hinter Masken versteckt durch die Strassen hetzen. Das fiel mir sehr auf! Augen können lächeln, aber es geschieht gerade sehr selten. Ich versuche so gut es mir möglich ist, ein Lächeln zu zeigen… nicht nur denen, die wir vermissen und lange nicht treffen durften, sondern denen, die ich nicht kenne und die wie ich auf der Strasse, in der Stadt, im Wald und auf den Velowegen unterwegs sind!

Jetzt dürfen wir einander wieder besuchen –sei es zuhause oder im Heim. Es gibt nur noch wenige Auflagen. Die Zeit war lang, die wir uns nicht «richtig» sehen durften. Viele haben darunter gelitten. Jetzt sind Besuche im Altersheim fast ohne Einschränkungen wieder möglich. In Frankreich, so habe ich gelesen, haben sie im letzten Jahr kleine Zelte erfunden, in denen Töchter und Söhne ihre alten Eltern besuchen konnten. Die Zelte standen im Garten des Heims; sobrauchteman nicht durchs ganze Haus zu gehen. In den Zelten warman geschützt vor dem Virus, vor Wind und Wetter -und vor den Blicken anderer. Man durftedort sogar ohne Masken sitzen, nur mit einem dünnen Vorhang aus Plastik dazwischen. Endlich konnteman sich wieder in die Augen schauen; endlich lächelteman sich wieder an und hörte, was das Gegenübersagt. Der dünne Vorhang halfsogar dabei, einander zu berühren; man berührteja nicht direkt die Haut. Eine solche Einrichtung war zu dieser Zeitein Segen. Manche Bewohnerinnen und Bewohner blühten regelrecht auf, erzählt man sichnoch heute; Söhne und Töchter von draussen ebenso.Es ist eben wichtig, dass man sich sieht und einander berühren darf. Das haben wir Menschen vermisst. Jetztkönnen wir einander wieder zeigen: Ich hab‘ dich nicht vergessen, Vater oder Mutter. Umgekehrt natürlich auch:Ich habe das Lachen meiner Tochter so vermisst, sagt der Vater, das macht mich lebendig.Jetzt spüren wir wieder, dass wir nicht alleine in der Wohnung auf bessere Zeiten warten müssen, sondern Nachbarn haben, Verwandte,Freundinnen und Freunde.Und nahe Verwandte, die in einem Heim leben und nun wieder «normal» Besuch bekommen dürfen. Es gibt viel zu erzählen. Und wir wollen dankendafür, dass wir unshaben–und uns nunwiedersehen dürfen. Es gibt ja Menschen, die sagen: Ich brauche niemanden.Hoffentlich sagen sie das nur. Und glauben es nicht auch noch. Oder leben so. Jeder und jede braucht andere Menschen als Gegenüber. Es müssen nicht viele sein. Es sollen aber Menschen sein, die auf uns achtgeben. Nicht kontrollieren sollen sie uns oder neugierig sein, sondern einfach achtgebenauf uns. Menschen, die mal anrufen und nachfragen. Niemand ist eine Insel.Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Wir Menschen brauchen einander -mal etwas weniger, mal viel mehr. Jeder und jede braucht Menschen, die achtgeben und sich um uns sorgen. Nur das hält uns lebendig.

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